Klassenbucheintrag, Strafarbeit usw. - Pädagogische Maßnahmen in Baden Württemberg:

Pädagogische Maßnahmen - Anwendungsfälle:

Pädagogische Maßnahmen sind solche, die im sogenannten niederschwelligen Grundrechtsbereich der Schüler ergehen. Typische Beispiele hierfür sind:

  • Der mündliche oder schriftliche Tadel,
  • der Eintrag ins Klassenbuch,
  • der Ausschluß vom Unterricht bis zum Ende des laufenden Schultages,
  • die Verpflichtung zu Strafarbeiten, sofern die entsprechenden Aufgaben geeignet sind, den Schüler das eigene Fehlverhalten erkennen zu lassen,
  • die Änderung der Sitzordnung,
  • Gespräche mit Schülern und Eltern,

Neuerdings entwickeln die Schulen erhebliche Phantasie was Pädagogische Maßnahmen betrifft. Vor allem Strafen wie "Hausmeisterdienste" reichen damit in einen Schweregrad hinein, der die Pädagogischen Maßnahmen kaum weniger grundrechtsintensiv wie eine Ordnungsmaßnahme erscheinen lassen.

Klassenbucheintrag, Strafarbeit usw. - Rechtmäßigkeit der pädagogischen Massnahmen in Baden Württemberg:

Die obengenannten pädagogischen Maßnahmen bewegen sich regelmäßig im niederschwelligen Grundrechtsbereich und haben ihre Rechtsgrundlage in der Schulpflicht.

Dies heißt natürlich nicht, daß hier alles zulässig ist und man keinen Schutz genießt. Insbesondere müssen auch die pädagogischen Maßnahmen vor allem dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz genügen:

  • Eine Maßnahme ist beispielsweise nur dann geeignet, wenn sie darauf abzielt, den Schüler von Sinn und Zweck eines regelkonformenen Verhaltens zu überzeugen. Ungeeignet wäre es bspw., wenn der Schüler das Verhalten nur aus Angst vor Sanktionen künftig unterläßt (mechanisches Schreiben von Verhaltensregeln, Lächerlichmachen des Schülers etc.).
  • Die Maßnahme muß zudem erforderlich sein, d.h. es darf kein milderes Mittel mit demselben Erfolg möglich sein.
  • Schließlich muß die Maßnahme auch angemessen i.e.S. sein, d.h. der Nutzen darf nicht außer Verhältnis zu den Folgen der Maßnahme stehen.

Fakt ist: Auch im Bereich pädagogischer Massnahmen braucht und sollte man sich nicht alles gefallen lassen, insbesondere wenn man plötzlich zum Sündenbock wird und die Gefahr besteht, daß ein Lehrer oder die Schule einen bestimmten Schüler auf dem Kieker hat - Stichwort Notbremse bevor Schlimmeres passiert.

Für eine Telefonische Erstberatung zu Ihrem konkreten Fall oder eine deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen kontaktieren Sie mich bitte direkt.

Rechtsschutz gegen pädagogische Maßnahmen in Baden Württemberg:

Die Rechtsqualität der pädagogischen Maßnahmen wird uneinheitlich beurteilt. Nach überwiegender Auffassung der Gerichte handelt es sich um keine Verwaltungsakte.

  • Gerichtlicher Rechtsschutz ist ungeachtet dessen natürlich trotzdem möglich!!!

Zu beachten ist, daß nach herrschender Auffassung, der Rechtsschutz gegen pädagogische Maßnahmen keine aufschiebende Wirkung entfaltet, die Maßnahme also grundsätzlich erst einmal sofort vollziehbar ist. In Baden-Württemberg wird dies daraus abgeleitet, daß auch gegen die förmlichen Ordnungsmaßnahmen keine aufschiebende Wirkung besteht (§ 90 Abs. 3 Satz 3 Schulgesetz Baden Württemberg).

Wer insofern glaubt, daß er durch Gespräche mit der Schule noch ein Einlenken erreicht, der ist fast immer auf dem falschen Dampfer: Ist eine Entscheidung erst einmal getroffen, nimmt die Schule auf Eltern regelmäßig keine Rücksicht mehr. Wer also eine rasche Klärung möchte, muß sich frühzeitig einer professioneller Hilfe bedienen, die die Schule auch wirklich ernst nimmt, denn ansonsten wird die Schule ohne Rücksicht die Maßnahme vollziehen und es bleibt definitiv nur noch der Weg zu den Verwaltungsgerichten.

Ungeachtet dessen kann man den Vorgang natürlich - später - immer noch bei der Schulaufsicht als Beschwerde zur Kenntnis bringen. Dies ist schon deshalb sinnvoll, weil ansonsten der Eindruck entsteht, es sei alles in Ordnung gewesen. Eine Genugtuung wird man auf diesem Wege aber nicht erreichen, so daß dies keine Alternative darstellt.

Wenn also eine pädagogische Maßnahme im Raum steht kontaktieren Sie mich für eine Telefonische Erstberatung oder die deutschlandweite Vertretung Ihrer Interessen möglichst frühzeitig. Dann habe ich noch die meisten Optionen und kann einiges noch verhindern bzw. man kann sich entscheiden, wie weit man im Einzelfall geht.

Pädagogische Maßnahmen & Ordnungsmaßnahmen - Gesamtüberblick:

Für einen Gesamtüberblick zum Themenbereich navigieren Sie bitte in den weiteren Gliederungspunkten des Themas Ordnungsmassnahmen in Baden Württemberg durch Betätigen der nachfolgenden Links: