Hitzefrei:

Die Frage, ob und wann Hitzefrei ist, stellt vermutlich "den Klassiker" des Schulrechts dar, ohne daß sich jemand dessen bewußt ist:

  • "Früher" war Hitzefrei eher eine Seltenheit (zumindest erzählen es sich die "Älteren" so), weil es einfach nicht schnell genug warm wurde.
  • Dann kam noch die Einführung der Sommerzeit erschwerend hinzu und damit verbunden die Frage, ob man diese denn berücksichtigen muß? Viele mutmaßten damals, es werde nie wieder Hitzefrei werden.
  • In den letzten Jahren mit sehr heißen Sommern, war das dann plötzlich wieder anders: Viele Schüler trösteten sich über sich offenbarende Klimaveränderungen damit hinweg, daß diese wenigstens die Möglichkeit für "Hitzefrei" begünstigten.

Das Vorgesagte sind natürlich nur alles subjektive Empfindungen. Wie aber ist wirklich die Rechtslage?

Den Ausgangspunkt liefert die Bekanntmachung des Kultusministeriums über den Ausfall des Unterrichts an besonders heißen Sommertagen vom 15.12.1975:

"1.1 An Tagen, an denen der Unterrichtserfolg nach den örtlichen Verhältnissen wegen drückender Hitze (Außentemperatur um 10.00 Uhr mindestens 25° Celsius im Schatten) in Frage gestellt ist, kann nach der vierten Stunde, vom allgemeinen Unterrichtsbeginn an gerechnet, der Ausfall des Unterrcihts angeordnet werden.
1.2 Die Entscheidung über den Ausfall des Unterrichts trifft der Schulleiter. Bei benachbarten Schulen soll über den Ausfall des Unterrichts bei gleichen Bedingungen möglichst gleichmäßig entschieden werden.
...
3. Diese Regelung gilt nicht für die Klassenstufen 11 bis 13 der allgemeinbildenden und der beruflichen Gymnasien und für die anderen Schularten des beruflichen Schulwesens."

Vorweg ist festzuhalten: Die Regelung gilt nach richtiger Auffassung noch!

  • Teilweise wird dies nämlich mit dem Argument in Frage gestellt, daß die Vorschrift weder in das "Vorschriftenverzeichnis", noch in das "Verzeichnis der Bekanntmachungen ohne Vorschriftencharakter" aufgenommen wurde.
  • Richtigerweise ist aber festzuhalten, daß die Norm weder aufgehoben wurde noch durch Fristablauf o.ä. erloschen ist (so auch Rux/Rux im Elternjahrbuch 2008). Entgegen der Auffassung von Rux/Rux muß das dann aber auch bedeuten, daß man die Regelung weiterhin direkt anwenden muß.

Also was beinhaltet die Norm? Eine vage Auskunft: Der Schulleiter "kann" Hitzefrei anordnen, wenn die dortigen Voraussetzungen vorliegen, d.h. es ist keine zwangsläufige Entscheidung, sondern liegt in seinem Ermessen.

  • Hierbei wird der Schulleiter sich vor allem an den Normzweck zu halten haben: Wenn der Unterrichtserfolg wegen der Hitze in Frage steht, bringt es nichts, stur weiterarbeiten zu lassen.
  • Und immer wenn es um 10.00 Uhr morgens mehr als 25° Celsius im Schatten hat, wird man grundsätzlich von einer Konstellation "Pro-Hitzefrei" auszugehen haben, da dies vom Normgeber ja als Indikator dafür gesehen wird, daß es bald noch heißer wird und ein vernünftiges Arbeiten nach dem Zweck der Regelung damit unmöglich. Von "Contra-Hitzefrei"-Faktoren wird man folglich wohl allenfalls auszugehen haben, wenn mit atypischen Verläufen, d.h. Temperaturkonstanz oder gar kurzfristigen Temperaturrückgangen zu rechnen ist (bspw. weil schon die Gewitterwolken zu sehen sind).

Und was hat es mit der Sommerzeit auf sich?

  • Auch hier wird man dem Normzweck entsprechend annehmen müssen, daß es für die Anordnung für Hitzefrei ausreicht, wenn erst um 11.00 Uhr 25° Celsius im Schatten erricht werden.
  • Würde man die Sommerzeit außer acht lassen, so würde man nämlich der Grundkonstellation des Normgerbers nicht mehr gerecht und Schüler müßten heute bei Extremtemperaturen in der Schule verbringen, nur weil heute 10.00 Uhr früher 9.00 Uhr war.

Im Ergebnis ist demnach nach meiner Auffassung festzuhalten:

  • Wenn um 10.00 Uhr (oder spätestens 11.00 Uhr) die Außentemperatur mindestens 25° Celsius im Schatten beträgt, so wird man grundsätzlich immer Hitzefrei anordnen müssen, es sei denn, eine atypische Konstellation mit stabilen oder gar rückläufigen Temperaturen ist kurzfristig zu erwarten. Denn nach dem Regelungszweck ist davon auszugehen, daß die Konzentrationsfähigkeit in dem typischen Fällen derart absinkt, daß ein stures Lernen ohnehin nicht den Zweck erreichen würde.

Hiervon mag man halten was man will (auch unter dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Unterrichtsversorgung, die - aus Elternsicht - in heißen Sommern dann natürlich gefährdet sein kann). Wenn man dies alles berücksichtigen möchte, sollte man aber die Regelung ändern, bzw. den Ausfall zu einem anderen Zeitpunkt nachholen, anstatt willkürliche Entscheidungen zu treffen, die nicht mit dem Regelungszweck vereinbar und deshalb für Schüler nicht verständlich sind. 

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